Multiple Sklerose: Neues Medikament bringt Hoffnung

Weiterer Meilenstein in der MS-Therapie

Erfreuliche Nachrichten für Menschen mit der Diagnose Multiple Sklerose (MS): In den letzten Jahrzehnten konnte die Medizin erhebliche Fortschritte in der MS-Therapie verzeichnen. Weitere Hoffnung schenkt nun ein neu zugelassenes Medikament für Patienten mit einer besonderen Form der fortschreitenden MS. Bislang gab es hierfür keine erfolgversprechenden Therapiemöglichkeiten.

Endlich gibt es auch eine erfolgsversprechende Therapie für Patienten mit "sekundär progredienter MS".

„Bei MS handelt es sich um eine bislang unheilbare Krankheit des zentralen Nervensystems mit ganz unterschiedlichen Verlaufsformen. Daher nennt man MS auch die ‚Krankheit mit den tausend Gesichtern‘“, erklärt Prof. Dr. Thomas Postert, Chefarzt der Klinik für Neurologie des St. Vincenz-Krankenhauses. „Endlich gibt es nun auch ein Medikament für Patienten mit einer sogenannten sekundär progredienten MS. Hiervon spricht man, wenn die Erkrankung nach dem anfänglich schubförmigen Verlauf in ein langsames, kontinuierliches Fortschreiten übergeht: Die Symptome verschlechtern sich und neu auftretende Symptome bilden sich nicht mehr zurück. Die Neuzulassung des Medikaments für diese Verlaufsform der MS ist ein riesiger Fortschritt. Auf den europäischen MS-Kongressen war die Neuigkeit darüber auch für uns Mediziner eine echte Erleichterung.“

In Deutschland gibt es etwa 200.000 Menschen, die mit Multiple Sklerose leben müssen. Bei etwa 20 Prozent der Betroffenen entwickelt sich innerhalb von 10 bis 20 Jahren eine sekundär fortschreitende Form. So auch bei Martina Brauner, die seit vielen Jahren bei Prof. Postert in Behandlung ist. Im Alter von 35 Jahren bekam sie die Diagnose MS. „Meine Erkrankung hatte in den letzten 20 Jahren nur einen leichten Verlauf. Innerhalb der letzten drei Jahre verschlechterten sich  aber die Symptome. In meinem Körper schwebt immer eine Art Ungleichgefühl mit – längeres Gehen fällt mir schwer.“ Die 59-Jährige Paderbornerin hat gelernt ihre Krankheit zu akzeptieren und möchte anderen Mut machen: So ist sie aktiv in der MS-Selbsthilfegruppe tätig und nimmt regelmäßig am MS-Sport im Ahorn-Sportpark teil. In den nächsten Tagen wird sie mit der Einnahme des neuen Medikamentes beginnen. Nicole Rüssel, MS-Fachschwester, erklärt dessen Wirkung: „Das Medikament blockiert bestimmte Rezeptoren, sodass weniger antreibende Zellen der Erkrankung – die sogenannten Lymphozyten – im Blut sind. Somit sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass diese Zellen Schaden im zentralen Nervensystem anrichten.“ Das MS-Team hat bereits sehr positive Erfahrungen mit einem chemisch ähnlichen Medikament gemacht. „Jede Generation der Arzneimittel wird ein Stück besser. Gleichzeitig haben die Patienten weniger Nebenwirkungen und eine höhere Lebensqualität zu erwarten“, freut sich Postert über die vielversprechenden Entwicklungen in der Forschung.

Das MS-Zentrum im St. Vincenz-Krankenhaus

Das zertifizierte MS-Zentrum des St. Vincenz-Krankenhauses Paderborn versorgt mehr als 400 stationäre MS-Patienten pro Jahr und gehört damit zu den größten Zentren dieser Art in ganz Deutschland. Das Zentrum bietet alle therapeutischen und diagnostischen Möglichkeiten, die auf dem Feld der MS-Forschung möglich sind. Auch Hilfe bei der Nachsorge sowie Kontakte zu Selbsthilfegruppen und MS-Sportgruppen bietet das Team seinen Patienten.

Bildunterzeile:

Von links: Nicole Rüssel (MS-Fachkraft), Martina Brauner (Patientin) und Prof. Dr. Thomas Postert (Chefarzt der Klinik für Neurologie). Foto: St. Vincenz-Krankenhaus/Hoppe