In unserer Klinik stehen Ihnen eine erfahrene Still- und Laktationsberaterinnen IBCLC und eine "Stillberaterin in Weiterbildung" für alle Fragen rund um das Thema Stillen zur Verfügung.

Sie möchten Ihr Kind stillen?

Die Geburt eines Kindes bringt viele schöne Veränderungen in Ihr Leben. Während der Schwangerschaft haben Sie sich sicherlich schon viele Gedanken um die Ernährung Ihres Babys gemacht. Sie sorgen sich um das Wohlergehen und die Gesundheit Ihres Kindes, wollen Ihm Nähe und Geborgenheit geben und dadurch eine liebevolle Beziehung aufbauen.
Ein wichtiger Schritt dazu ist das Stillen. Das Stillen ist die einfachste und natürlichste Art der Ernährung Ihres Babys. Durch die körperliche Nähe und Wärme kann die Bindung („bonding“) zwischen Mutter und Kind gefördert werden. Sie lernen so Ihr Baby und seine Bedürfnisse kennen und werden schnell sicher im Umgang mit Ihm.
Neben der Geborgenheit, die Sie durch das Stillen vermitteln können, erhält Ihr Kind die optimale Nahrung.

  • Die Inhaltsstoffe wie Eiweiße, Fettsäuren und Kohlenhydrate etc. sind genau auf die Bedürfnisse und das Verdauungssystem des Kindes abgestimmt.
  • Die essentiellen Fettsäuren sind wichtige Bausteine für die Entwicklung des Nervensystems.
  • Mit der Muttermilch, insbesondere der Vormilch (Kolostrum, Milch die in den ersten Tagen von der Brust produziert wird) werden Abwehrstoffe von der Mutter an das Kind weitergegeben. Diese "Immunglobuline sorgen für einen Infektionsschutz.
  • Bei gestillten Kindern treten z.B. seltener Allergien, Hauterkrankungen wie Neurodermitis, Asthma oder auch Übergewicht auf.
  • Stillen reduziert das Risiko für einen plötzlichen Säuglingstod.
  • Stillen hilft dem Kind sein Entwicklungspotential besser zu nutzen.
  • Muttermilch ist immer richtig temperiert, hygienisch einwandfrei und ständig verfügbar.

Auch für die Mutter hat das Stillen große Vorteile

  • Sie können ihr Baby jederzeit, egal ob zuhause oder unterwegs, stillen.
  • Muttermilch ist kostenlos. Stillen senkt das Risiko an Brustkrebs, Eierstockkrebs und Krebs des Endometriums zu erkranken.
  • Durch das Stillen wird die Rückbildung der Gebärmutter gefördert. Das körpereigene Hormon „Oxytocin“ wird beim Saugen des Kindes an der Brust ausgeschüttet. Es fördert neben der Abgabe der Milch aus der Brust auch das Zusammenziehen der Gebärmutter. Dadurch wird der Wochenfluss unterstützt und es kommt so seltener zu Infektionen im Wochenbett. Stillende Frauen brauchen deshalb weniger Medikamente zur Gebärmutterrückbildung.
  • Und nicht zuletzt: Stillende haben weniger Probleme ihr früheres Gewicht wieder zu erreichen. Ein schöner Nebeneffekt.

Sie brauchen keine besonderen Maßnahmen an Ihrer Brust vorzunehmen, wenn Sie stillen wollen. Ihr Körper führt in der Schwangerschaft alle notwendigen Vorbereitungen von selbst durch. Durch die hormonellen Veränderungen in der Schwangerschaft wird die Brust größer, schwerer und empfindlicher. Die Montgomery-Drüsen am Warzenhof sondern ein Lubrikat ab, das die Brustwarzen schützt und geschmeidig hält.
Sie können sich jedoch bereits in der Schwangerschaft über das Stillen informieren.

Nehmen Sie an einem Geburtsvorbereitungskurs teil. Suchen Sie sich eine Hebamme, die Sie nach der Entlassung aus der Geburtsklinik zuhause beim Stillen unterstützt.
Sie können uns jederzeit nach Ihrer Entlassung anrufen. Wir beraten Sie gerne weiter über das Stillen. Außerdem melden wir uns telefonisch nach Ihrer Entlassung. So haben Sie die Gelegenheit, weitere Fragen an uns zu stellen.
Dann sind Sie gut für die Zeit nach der Geburt gerüstet.

Die ersten Tage nach der Geburt sind für die junge Familie und insbesondere für die Mutter eine neue Herausforderung. Das Stillen stellt eine besondere Situation für sie dar und nicht alles klappt auf Anhieb. Jedes Neugeborene ist anders und hat unterschiedliche Bedürfnisse. Normalerweise findet Ihr Baby die Brustwarze von alleine und beginnt zu Saugen. In wenigen Fällen müssen die Babys erst lernen, die Brustwarze richtig zu fassen. Auch die Trinkmenge und die Abstände sind nicht immer gleich. Manche Babys trinken viel auf einmal, andere wiederum nur wenig. Die einen sind bald immer hungrig, während die anderen größere Pausen zwischen den Mahlzeiten einlegen. Die ersten Tage mit Ihrem Baby sind deshalb durch intensives Kennenlernen der Bedürfnisse Ihres Kindes aber auch der Reaktionen Ihres eigenen Körpers geprägt. Nehmen Sie sich deshalb viel Zeit mit Ihrem Kind. Beobachten Sie es. Wie macht es auf sich aufmerksam? Wann hat es Hunger? Wann möchte es "nur" Ihre Nähe und von Ihnen gehalten und gestreichelt werden? Wann ist der Hunger gestillt und wann möchte es einfach nur sein Saugbedürfnis befriedigen?

Um Antworten auf all diese Fragen zu finden, braucht es Zeit. Gönnen Sie sich deshalb viel Ruhe in den ersten Tagen. Seien Sie geduldig und nachsichtig mit sich und Ihrem Baby. Niemand ist perfekt. Auch Sie müssen es nicht sein. Greifen Sie auf Hilfe im Haushalt oder beim Einkaufen zurück. Vielleicht bringt der Besuch einfach das Abendessen mit?!
Nutzen Sie professionelle Stillhilfe und Unterstützung. Sie haben während der Stillzeit Anspruch auf Betreuung durch eine Hebamme, die Sie zu Hause besuchen wird. Sie kann Ihre Fragen beantworten, Tipps geben und bei Problemen wertvolle Hilfe leisten. Vor allem: Lassen Sie sich nicht durch Ihre Mitmenschen verunsichern, z.B.: durch Ammenmärchen.
„Muttermilch ist nicht nahrhaft genug!“
„Stillende Frauen müssen auf vieles verzichten!“
„In unserer Familie hat noch keine Frau stillen können!“
„Deine Brust ist viel zu klein zum Stillen!“
Und so weiter...
Wenn Sie Ihr Kind stillen wollen, werden Sie auftretende Schwierigkeiten mit Ihrer festen Überzeugung, ausreichend Geduld und Ruhe und der Hilfe einer Hebamme oder Stillberaterin mit Sicherheit überwinden.

Die ersten Stunden nach der Geburt wird das Kind auf Ihrem Bauch in Hautkontakt verbringen. Das Baby nimmt Ihren Geruch wahr, hört Ihre Stimme und Ihren Herzschlag. Zusammen mit Ihrer Hebamme können Sie jetzt Ihr Kind das erste Mal an die Brust anlegen. Manche Babys können die Brust sofort gut erfassen, andere müssen dafür ein bisschen üben und es klappt noch nicht beim ersten Mal. Macht nichts! Sie und Ihr Kind haben Zeit zum Üben!
An diesem ersten Tag liegen zwischen den Stillmahlzeiten noch Pausen von mehreren Stunden. Die Abstände werden in den folgenden Tagen kürzer. Ihr Baby braucht nun viele kleine Mahlzeiten, denn der Magen kann nur kleine Portionen aufnehmen und ist schnell wieder leer. 8-12 Mahlzeiten in 24h sind in den ersten Tagen normal.
Die Brust produziert zunächst die sog. „Vormilch“, die viele wertvolle Immunstoffe enthält. Erst nach ein paar Tagen kommt es zum „Milcheinschuss“. Jetzt haben Sie deutlich mehr und anders zusammengesetzte Milch. Je häufiger Sie in den ersten Tagen angelegt haben, desto weniger Schwierigkeiten, wie Brustspannen oder Temperaturanstieg, wird dieser Milcheinschuss bereiten.
Stillen Sie Ihr Baby nicht nach einem starren Zeitplan. Es meldet sich von selbst, wenn es wieder Hunger hat. Es gilt die Devise: Stillen nach Bedarf. Nur wenn die Abstände zu groß werden und Ihr Baby Gewicht verlieren sollte, kann es notwendig sein, das Kind in kürzeren regelmäßigen Abständen zu wecken und zu stillen. Je häufiger (und nicht je länger) Sie dem Baby die Brust geben, desto mehr Milch wird produziert. Sobald das Kind wieder zunimmt, können Sie wieder größere Pausen einlegen. Mit der Zeit werden die Mahlzeiten größer, das Kind trinkt mehr und bleibt länger satt. Die Abstände werden immer länger und die Anzahl der Mahlzeiten nimmt ab.
Behalten Sie Ihr Baby auch nachts in Ihrer Nähe, am besten im eigenen Bettchen im Schlafzimmer. Sie können es dann leicht zu sich holen und im Liegen stillen. Dadurch sind die nächtlichen Störungen leichter erträglich und die Mahlzeit verläuft ruhiger. So kann das Baby allmählich einen Tag-Nacht-Rhythmus kennen lernen, den es erst erlernen muss. Das Baby kann auch im Bett der Eltern schlafen. Dann sollten sie aber gewisse Regeln einhalten, die von Kinderärzten zur Vermeidung des „Plötzlichen Kindstodes“ empfohlen werden: Feste Matratze, Seitenlage der Mutter, Schlafsack für das Kind (Gefahr der Überdeckung des Kindes durch das Oberbett der Eltern), Verzicht auf Alkohol, Drogen und sedierende Medikamente, guter Gesundheitszustand der Eltern, keine Übermüdung der Eltern. Immer gilt für die Schlafumgebung des Kindes: Rückenlage des Kindes, ein Schlafsack ist zu bevorzugen, Verzicht auf das Rauchen, leichte Bekleidung des Kindes, niedrige Raumtemperatur. Eine Überwärmung des Kindes sollte vermieden werden. Außerdem sollte es nicht von einer Decke oder im Bettchen liegendem Spielzeug überdeckt werden können.

Wenn der Hunger naht werden die meisten Kinder unruhig. Sie bewegen sich mehr im Schlaf und wachen langsam auf. Der Mund wird weit geöffnet und die Lippen werden geleckt. Der Kopf bewegt sich hin und her, das Kind macht Suchbewegungen. Das Baby schmatzt oder steckt das Fäustchen in den Mund. In dieser Phase kann man das Kind leicht anlegen. Wenn es sehr unruhig wird und schreit, ist das Anlegen deutlich schwieriger. Deshalb ist es wichtig, dass Sie lernen diese Zeichen Ihres Kindes früh zu erkennen. Wenn Ihr Kind in Ihrer Nähe ist, also auch nachts, werden Sie schnell reagieren und Ihr Kind anlegen können, ohne dass es durch Schreien auf sich aufmerksam machen muss.

Eine Stillmahlzeit, die 20-45 Minuten dauert ist durchaus akzeptabel, doch auch kürzere Zeiten sind normal. Während des Trinkens verändert sich die Zusammensetzung der Milch. Zuerst trinkt das Baby die fettarme „Vordermilch“, die den Durst löscht und Vitamine Mineralien und Immunstoffe enthält. Dann erhält das Kind die fett- und kalorienreiche „Hintermilch“, die sehr sättigend ist. Zufrieden lassen die meisten Kinder danach die Brust von allein los oder schlafen an der Brust ein. Durch diese Menüfolge gedeiht das Baby gut. Es benötigt auch an sehr warmen Tagen keine zusätzliche Flüssigkeit, weil es durch kurzes und häufiges Trinken den Durst durch die Vordermilch löscht. Je häufiger (und nicht je länger) Sie Ihr Kind anlegen, desto mehr Milch wird gebildet. Auf zusätzliches Füttern von Tee- und Wasserfläschchen kann also verzichtet werden.
Normalerweise wird bei einer Mahlzeit eine Brust leer getrunken. Dann kann das Kind ein „Bäuerchen“ machen, Sie können es wickeln und ihm anschließend die andere Brust als „Nachtisch“ anbieten. Bei der nächsten Stillmahlzeit machen Sie auf dieser Seite weiter. Dadurch werden beide Brüste regelmäßig geleert und eine ausreichende Milchproduktion auf beiden Seiten angeregt. Manche Kinder sind aber schon nach einer Seite satt und brauchen die andere Brust nicht.

Ein gut gestilltes Kind ist lebhaft und zufrieden. Es trinkt häufig an der Brust und hat eine rosige glatte Haut. Sechs bis acht nasse Windeln in 24h und regelmäßiger, auch mehrmals täglicher Stuhlgang sind normal. In den ersten Lebenstagen darf es bis zu 10% des Geburtsgewichts abnehmen. Innerhalb von zwei Wochen sollte das Kind das Geburtsgewicht dann wieder erreichen. In der Klinik wird Ihr Kind täglich gewogen. Nach der Entlassung wird die Hebamme oder der Kinderarzt das Kind etwa einmal in der Woche wiegen. Das reicht in der Regel völlig aus. Nur in seltenen Fällen muss das Kind zusätzliche Nahrung erhalten und bedarf einer engmaschigeren Gewichtskontrolle.

Nehmen Sie sich Zeit und schaffen Sie sich eine ruhige Atmosphäre. Hektik und Unruhe können Sie und Ihr Baby sehr stören. Setzten Sie sich bequem auf einen Stuhl oder Sessel oder legen Sie sich hin. Zur Unterstützung kann ein festes Kissen oder ein Stillkissen sehr hilfreich sein. Achten Sie darauf, dass Sie den Rücken gerade halten und die Schultern nicht hochziehen. Sie sollten so entspannt wie möglich sitzen. Das Kind kann auf einem Kissen liegend der Brust angenähert werden. Der haltende Arm dient nur zur Unterstützung. Er soll das Kind nicht tragen. Sonst wird Ihre Kraft nicht für die ganze Dauer der Mahlzeit reichen. Stellen Sie sich etwas zu trinken bereit, denn Stillen macht durstig. Zu Beginn werden Sie vielleicht ein Ziehen im Unterleib spüren. Beim Saugen des Kindes schüttet Ihr Körper „Oxytocin“ aus. Dieses Hormon bewirkt einerseits, dass die Brust die Milch frei gibt. Andererseits führt es zum Zusammenziehen der Muskulatur der Gebärmutter. Dieser positive Nebeneffekt bewirkt also eine bessere Rückbildung der Gebärmutter nach der Geburt, die so Ihre ursprüngliche Größe leichter wieder erreichen kann.

  1. Legen Sie das Kind so, dass es Bauch an Bauch zu Ihnen liegt. Der Mund soll sich auf Höhe der Brustwarze befinden. So muss das Kind nicht den Kopf verdrehen, um die Brustwarze fassen zu können. Es kann die Brustwarze optimal mit dem ganzen Mund erfassen.
  2. Halten Sie die Brust mit der freien Hand im C-Griff: der Daumen liegt dabei oberhalb der Brustwarze, die anderen Finger liegen unterhalb der Brustwarze.
  3. Sollte das Kind nicht zur Brustwarze schauen, streichen Sie über die der Brust zugewandte Wange. Dadurch wird der Suchreflex ausgelöst und das Kind wendet sich der Brust zu. Damit das Kind den Mund öffnet, streicht man mit der Brustwarze über die Lippen. Wenn der Mund weit geöffnet ist und die Zunge über die untere Zahnleiste geschoben wird (das tut das Kind von selbst), ziehen sie das Baby mit einer schnellen Bewegung an Ihren Körper. Es soll dabei die Brustwarze und einen Teil des Warzenhofes zu fassen bekommen. Das Kind soll nicht nur an der Brustwarze allein saugen. Dadurch kann es zu wunden Brustwarzen kommen, die schmerzhaft sind. Außerdem wird die Brust nicht genügend geleert und das Baby nicht ausreichend ernährt.
  4. Gelingt Ihnen das Anlegen nicht sofort lösen Sie das Kind noch einmal von der Brust und probieren Sie es erneut.
  5. Sie lösen das Kind von der Brust, indem Sie mit Ihrem kleinen Finger in den Mundwinkel des Kindes eingehen. Dadurch wird das Vakuum, das Ihr Kind aufgebaut hat gelöst. Ziehen Sie auf keinen Fall einfach nur die Brust zurück. Das kann sehr schmerzhaft sein und das Gewebe belasten.

Es gibt viele Positionen, in denen Sie stillen können. An dieser Stelle möchten wir Ihnen die drei häufigsten kurz beschreiben. Wichtig bei jeder Position ist, dass das Kind Bauch an Bauch zu Ihnen liegt und dass sich der Mund auf Höhe der Brustwarze befindet.

Wiegengriff

Im Sitzen halten Sie das Kind Bauch an Bauch so, dass das Köpfchen in Ihrer Armbeuge und der Po auf Ihrer Hand liegt. Achten Sie darauf, dass Ihr Arm während des Stillens gut abgestützt ist. Sonst wird er müde, die Schulter wird hochgezogen und sie bekommen Rückenschmerzen.

Rückengriff

Das Kind wird so gehalten, dass die Füßchen nach hinten zeigen. Das Köpfchen des Kindes liegt in Ihrer Hand, der Unterarm stützt den Rücken des Kindes. Achten sie auch hier auf eine gute Unterstützung des Kindes durch ein Kissen, damit Sie nicht verspannen.

Stillen im Liegen

Diese Position eignet sich besonders gut nachts im Bett. Bei vielen Frauen ist sie aber auch tagsüber sehr beliebt. Sie liegen dabei auf der Seite. Das Kind ist Ihnen Bauch an Bauch zugewandt. Die obere Hand stützt Ihre Brust, die untere zieht das Kind an sich heran. Wenn Ihr Baby die Brustwarze gut erfasst hat, können Sie seinen Rücken mit einer Rolle (zusammengerollte Decke) abstützen. Dadurch behält es seine Position und sie müssen es nicht für die ganze Mahlzeit halten.

In den ersten Tagen können die Brustwarzen durch das Stillen sehr empfindlich und gereizt sein. Das bessert sich in der Regel nach ein paar Tagen. Sind die Schmerzen aber sehr stark oder ist die Haut wund und hat kleine Risse, sollten Sie die Schwestern oder Ihre Hebamme um Hilfe bitten.
Häufig ist eine falsche Anlegeposition der Grund für die Beschwerden. Deshalb ist es so wichtig, dass das Kind nicht nur die Brustwarze, sondern auch den Warzenhof beim Anlegen erfasst. Das Köpfchen soll direkt zur Brust zeigen, ohne dass das Kind den Kopf drehen muss. Außerdem sollte die Stillposition ständig gewechselt werden. Dadurch wird die Brustwarze immer wieder anders belastet und nicht ständig an der gleichen Stelle gereizt.
Außerdem kann Muttermilch Ihre Haut schützen. Streichen Sie nach dem Stillen ein paar Tropfen Milch aus, verteilen Sie sie auf der Brustwarze und lassen Sie sie einfach an der Luft trocknen. Muttermilch, Luft und Sonne unterstützen die Heilung der Haut. Stilleinlagen sollten aus weichen, natürlichen Materialien sein, wie Baumwolle oder Wolle/Seide. Bei stärkeren Beschwerden können Salben von Nöten sein. Lassen Sie sich in diesem Fall von Ihrer Hebamme oder der Schwester der Wochenstation beraten. Gute Erfahrungen wurden mit Wollwachssalben oder auch mit Heilwolle (diese enthält Wollwachs) gemacht. Wollwachs beruhigt und schützt die angegriffene Haut, hält sie geschmeidig und fördert die Heilung der Haut.
Stillhütchen, die die Brustwarze schützen sollen, können eine Hilfe sein. Sie können aber auch erneut Probleme hervorrufen. Bei Gebrauch von Stillhütchen wird die Brust häufig nicht genügend zur Milchbildung stimuliert. Das Kind trinkt dann länger, belastet die Brust mehr und wird nicht richtig satt. Außerdem erlernt das Kind dadurch eine andere Saugtechnik an der Brust und es kann zu Schwierigkeiten bei Weglassen des Stillhütchens kommen.
Manche Kinder haben Probleme die Brustwarze vollständig zu fassen, wenn die Brust sehr prall gefüllt ist. Dann kann es helfen, erst ein bisschen Milch auszustreichen und dann erneut zu versuchen, das Kind anzulegen.
Wichtig ist bei schmerzenden Brustwarzen eine kompetente Betreuung durch geschultes Personal, wie unsere Wochenbettschwestern, Hebammen oder Ärzte.

Wenn sich die Brust nicht ausreichend entleert spricht man vom Milchstau.
Die Brust kann sich dabei röten, verhärten, überwärmen und sehr schmerzhaft werden. Daraus kann eine Entzündung der Brust entstehen, die mit Antibiotika behandelt werden muss. Im schlimmsten Fall kann sich ein Abszess bilden, der dann punktiert oder sogar eröffnet werden muss. Um so etwas zu verhindern, ist es wichtig, häufig zu stillen und so die Brust regelmäßig zu leeren. Sollte es trotzdem zu einem Milchstau kommen, kann man schmerzende Verhärtungen in der Brust ertasten. Dann sollten Sie die Brust selbst entleeren. Lassen Sie sich die Technik des Entleerens der Brust von den Wochenbettschwestern oder Ihrer Hebamme zeigen. Zuvor sollten Sie die Brust erwärmen, z.B.: mit warmem Wasser unter der Dusche. Das fördert den Milchfluss. Wenn die Brust leer ist, muss sie gekühlt werden. Dadurch wird verhindert, dass erneut zu viel Milch gebildet wird. Zum Kühlen hat sich Speisequark aus dem Kühlschrank bewährt. Geben Sie eine fingerdicke Schicht Quark auf Ihre Brust. Lassen Sie dabei die Brustwarze frei. Sie können die Brust dann mit einer Stoffwindel abdecken. Wenn der Quark angetrocknet ist, können Sie alles mit lauwarmem Wasser wieder abwaschen. Möglich ist auch, ein in Eiswasser getauchtes Tuch auf die gestaute Brust aufzulegen und sie so effektiv zu kühlen. Auch mit der Anwendung von Retterspitz auf der gestauten Brust werden gute Ergebnisse erzielt. Sollten sich die Beschwerden unter diesen einfachen Maßnahmen nicht rasch bessern, wenden Sie sich bitte an Ihre Hebamme, Ihren Frauenarzt oder an uns, damit eine Entzündung der Brust vermieden werden kann.

Sie dürfen in der Stillzeit alles Essen, worauf Sie Appetit haben. Eine ausgewogene, abwechselungsreiche Ernährung ist empfehlenswert. Achten Sie dabei auf eiweißreiche und kalziumhaltige Nahrungsmittel. Dies sind insbesondere Fleisch, Fisch und Milchprodukte. Es darf auch etwas mehr sein: eine stillende Mutter braucht 500-650kcal mehr als sonst.
Trinken Sie nach Ihrem Durstgefühl. 2 - 2,5 Liter täglich sind ausreichend. Wasser, Kräuter- oder Früchtetees sowie säurearme Säfte oder Saftschorlen sind in der Stillzeit sinnvoll. Möchten Sie auf Kaffee oder Schwarztee nicht verzichten, können Sie koffein- oder teeinfreie Varianten probieren oder direkt nach dem Stillen ein Tässchen trinken. Pfefferminz- und Salbeitee sind in der Stillzeit nicht geeignet, da sie die Milchbildung drosseln.
Auf Nikotin und Alkohol ist in der Stillzeit natürlich zu verzichten.

Ausschließliches Stillen in den ersten 6 Monaten kann Ihr Kind vor Allergien schützen. In dieser Zeit wird Ihr Kind optimal durch Muttermilch ernährt. Aus diesem Grunde empfehlen wir die Ernährung mit Muttermilch in den ersten 6 Lebensmonaten. Zufüttern ist in dieser Zeit nicht notwendig. Aber auch über die 6 Monate hinaus können Sie Ihr Kind weiter stillen. Dann sollten Sie nach und nach einzelne Stillmahlzeiten durch Beikost ersetzen.
Wollen Sie bald nach der Geburt wieder arbeiten, dann müssen Sie nicht aufs Stillen verzichten, denn Sie haben während der Stillzeit einen gesetzlichen Anspruch auf Stillpausen. Lassen Sie sich von einer Stillberaterin oder Ihrer Hebamme beraten.
Wie lange Sie stillen möchten, entscheiden letztlich Sie, denn es gibt viele individuelle Gründe, die Sie zum Abstillen bewegen können.

Stillen ist nicht nur „Nahrungsaufnahme“. Manchmal möchte das Baby lieber kuscheln als gestillt werden. Durch das Stillen kommt das Baby der Mutter ganz nahe und es kann so sein riesengroßes Bedürfnis nach Liebe, Wärme und Geborgenheit auf diese Weise stillen. Durch den Hautkontakt wird ein enges körperliches Verhältnis zwischen Mutter und Kind geschaffen. Das Baby braucht diese körperliche Nähe. Es will sich immer wieder vergewissern, dass es nicht alleine ist. Oft bedeutet das Schreien: Ich will Zuwendung. Und jedes Weinen ist ein kleiner Hilferuf. Babys, die häufig gestreichelt und massiert werden, verkraften Aufregungen und Anstrengungen, sind besonders neugierig und wach.


Eine Bemerkung zum Schluss

Manche Frauen möchten aus verschiedensten Gründen nicht stillen. Selbstverständlich respektieren wir Ihre Entscheidung und möchten Ihnen genauso viel Unterstützung bei der Betreuung Ihres Kindes geben, wie den stillenden Müttern.
Darüber hinaus gibt es wenige Frauen, bei denen es trotz aller Motivation und professioneller Unterstützung mit dem Stillen nicht klappen will. Das Kind muss dann mit Ersatznahrung gefüttert werden. Lassen sie sich in einer solchen Situation von niemandem verunsichern oder ein schlechtes Gewissen einreden.
Sie können Ihrem Kind trotzdem alle Liebe und Zuwendung durch körperliche Zuwendung wie streicheln, massieren, umhertragen, wiegen oder auch vorsingen geben. Zu einer glücklichen Eltern-Kind-Beziehung gehört nicht nur die Ernährung!