Leser des Westfalenblattes fragen – Herzexperten antworten

Häufigste Fragen an die Herzspezialisten des Kardio-Netz Hochstift

Am Mittwoch liefen die Telefone in der Kardiologie des St. Vincenz-Krankenhauses heiß: Viele Leserinnen und Leser nutzten bei der gemeinsamen Telefonaktion des Kardio-Netz Hochstift die Chance, um ihre Fragen rund um die Herzgesundheit mit Experten zu klären. Dr. Susanne Dernedde, niedergelassene Fachärztin im MVZ Delbrück, Gerti Koch, Ehrenamtliche Beauftragte der Herzstiftung, Dr. Barbara Steffens, leitende Abteilungsärztin Kardiologie des MZG Bad Lippspringe, Friedhelm Steinkemper, 1. Vorsitzender der Coronarsportgemeinschaft Paderborn e.V.,  Dr. Markus Wrenger, Chefarzt der Kardiologie an der Caspar-Heinrich-Klinik Bad Driburg sowie Dr. Matthias Hammwöhner und Prof. Dr. Andreas Götte aus der Medizinischen Klinik II des St. Vincenz-Krankenhauses Paderborn, nahmen sich anderthalb Stunden für die Anliegen der Herzkranken anlässlich der aktuellen Herzwochen Zeit. 

„Die Anzahl der Anrufer zeigt uns, dass der Bevölkerung in diesem Jahr die Veranstaltungen und Fachvorträge zur Herzgesundheit gefehlt haben. Viele unserer Anrufer waren schon 80 Jahre und älter“, resümiert Prof. Dr. Andreas Götte, Chefarzt der Medizinischen Klinik II des St. Vincenz-Krankenhauses.  Das Team des Kardio-Netzes hat die häufigsten Fragen gesammelt:

Was muss bei der Einnahme von  „Blutverdünnern“ beachtet werden?

Gerinnungshemmende Medikamente – umgangssprachlich auch ‚Blutverdünner‘  genannt − mindern die Bildung von Blutgerinnseln. Somit senken sie das Risiko für Herzinfarkte, Schlaganfälle und Venenthrombosen.  Auch aus anderen Gründen können sich Gerinnsel in den Venen des Körpers bilden und Lungenembolien nach sich ziehen. Daher ist für unterschiedliche Erkrankungen die Behandlung mit „Blutverdünnern“ absoluter Standard. Neben Marcumar steht heute auch sogenannte NOAC (=neue orale Antikoagulantien), eine alternative Medikamentengruppe, zur Verfügung. Wichtig ist, dass diese Medikamente in enger Kontrolle mit dem Haus- oder Facharzt verordnet und laufend kontrolliert werden. Es muss immer individuell über die Art des Medikamentes und dessen Dosis entschieden werden. 

Warum ist das „Vorhofflimmern“ so gefährlich?

Bei einem gesunden Menschen schlägt das Herz in Ruhe etwa 60- bis 70-mal. Vorhofflimmern bewirkt, dass es „stolpert“, mal schneller (bis zu 160 Schläge pro Minute) und mal langsamer pulsiert. Die Ursache ist vor allem im linken Herzvorhof zu suchen. Dort münden die Lungenvenen. Sie pumpen viel Blut aus der Lunge in das Herz und sorgen dafür, dass dieser Bereich besonders belastet ist. Der hohe Druck, der so entsteht ist verantwortlich dafür, dass sich zunehmend Bindegewebszellen einlagern und so die elektrischen Impulse, welche die Herzzellen untereinander weitergeben, langsamer werden. Weil das Blut nicht mehr gleichmäßig aus den Vorhöfen in die Herzkammern gepumpt wird, bilden sich Gerinnsel, die bis ins Gehirn gelangen und dort schnell eine der vielen kleinen Adern verstopfen können. Ein Teil des Hirns wird dann nicht mehr mit Blut versorgt, Gewebe stirbt ab und das Risiko für einen Schlaganfall steigt enorm.

Was passiert bei einer „Vorhofflimmern-Ablation“?

Herzrhythmusstörungen, die Folge einer Herzkrankheit sind und die Gefahr eines plötzlichen Herztodes für die Patienten bedeuten könnten, können mit Hilfe von katheterbasierten Behandlungen aufgedeckt werden. Es ist sogar möglich, bestimmte Herzrhythmusstörungen mit einer Hochfrequenzkatheterablation zu heilen. Bei diesem Verfahren werden die Herzmuskelregionen, die für die Herzrhythmusstörungen verantwortlich sind, mit Hochfrequenzstrom verödet. So können keine elektrischen Reize mehr weitergeleitet werden. Dazu führt der Kardiologe über einen kleinen Schnitt in der Leistengegend einen Katheter ein. Die Katheterbehandlung von Herzrhythmusstörungen erfolgt mit Hilfe von computer-gestützten dreidimensionalen Bildern, die das Herz und den Katheter während der Behandlung gestochen scharf auf einem Bildschirm abbilden und so die ein besonders präzises Vorgehen ermöglichen. Die Ablation von Vorhofflimmern ist als Routineverfahren etabliert – eine Vollnarkose ist in den meisten Fällen nicht notwendig. 

Was tun bei plötzlichem Bluthochdruck?

Mit Bluthochdruck oder „Hypertonie“ ist die Druckerhöhung im arteriellen Blutgefäßsystem gemeint. Diese kann lange Zeit unbemerkt bleiben. Das Gefährliche: Bei einem dauerhaft zu hohen Blutdruck steigt das Risiko für Schäden an lebenswichtigen Organen wie Herz, Gehirn, Nieren und Augen. Bei Werten von über 220 zu 120 mmHg ist Vorsicht geboten: Kommen Schmerzen im Brustkorb, Übelkeit, Erbrechen oder Atemnot hinzu, muss umgehend die 112 alarmiert werden! Wichtig: Beim Anruf der 112 den Verdacht auf einen Bluthochdruck-Notfall äußern. 

Was sind erste Anzeichen für eine Herzschwäche?

Zu Beginn einer Herzschwäche gibt es oft keine auffälligen Anzeichen. Die Erkrankung äußert sich nach und nach dadurch, dass die Betroffenen immer kurzatmiger werden. Selbst beim Treppensteigen oder beim strammen Spaziergang bleibt dann die Luft weg. Wassereinlagerungen in den Beinen oder an den Füßen sind weitere Symptome einer Herzinsuffizienz, denn der Herzmuskel schafft es nicht mehr, genügend Blut zu pumpen.  Auch eine Gewichtszunahme innerhalb weniger Tage durch diese Wassereinlagerungen, Appetitlosigkeit und ein andauerndes Schwächegefühl sind erste Boten einer Herzschwäche.

Bildunterzeile

Das Kardio-Netz Hochstift bei der gemeinsamen Telefonaktion. Von links: Prof. Dr. Andreas Götte, Chefarzt der Medizinischen Klinik II des St. Vincenz-Krankenhauses, Dr. Susanne Dernedde, niedergelassene Fachärztin im MVZ Delbrück, Dr. Matthias Hammwöhner, Oberarzt in der Medizinischen Klinik II des St. Vincenz-Krankenhauses, Dr. Barbara Steffens, leitende Abteilungsärztin Kardiologie des MZG Bad Lippspringe, Dr. Markus Wrenger, Chefarzt der Kardiologie an der Caspar-Heinrich-Klinik Bad Driburg und Friedhelm Steinkemper,  Vorsitzender der Coronarsportgemeinschaft Paderborn e.V. Foto: St. Vincenz-Krankenhaus/Hoppe